
Tagblatt vom 9.2.2002, Rorschach (Philipp Reichen)
Leben und leben lassen. Die traditionelle Nacht der Vampire wurde auch dieses Jahr nicht zur grossen Blutorgie, markierte vielmehr den Anfang der hohen Rorschacher Fasnachtstage. Feuchtfröhlich feierten die mehr oder minder dämonischen Gestalten den Vampirball, warfen sich in die tanzenden Wogen oder trafen sich bei Candle-Light zum geistreichen Tête-à-tête. «Ausverkauft», nickten die Organisatoren schon am frühen Abend. 900 Billette gingen im Vorverkauf weg, 100 noch am Abend selbst. Damit hatte man nicht mehr so viele Gäste im Rollerdome wie auch schon, aber immer noch genug, dass sich Graf Dracula und Miss Transsilvania 1763 zwingend näher kommen mussten.
Viel Sound, wenig Groove
Mit der Band Blizz Rhythmia hatte man dieses Jahr junges Blut auf die Bühne des Vampirballs gerufen. Jugendlichkeit gepaart mit Professionalität in Sachen Sound wie Auftritt beeindruckten und am Schlagzeug sass mit Massimo Buonanno kein Geringerer als der Europameister auf diesem Instrument. Doch so blutjung die Band daherkam, ein wenig blutarm war der Sound dann trotzdem. Perfekter Sound muss nicht unbedingt auch viel Groove bedeuten. Mit den vielen Coverversionen, die Band schreibt für sich selbst nur Instrumentalrock, fiel auch die Menge lautstark in die Refrains mit ein. So wuchs die Stimmung zusehends, bis zur Mitternachtsshow. Die gehörte dann einem Zucchero-Imitator und seinen drei Backgroundtänzerinnen.
Italorock und Guggenmusik
Hit um Hit reihte das Zucchero-Double aneinander. Das Markenzeichen des echten Zucchero, ein überdimensionierter Hut, verlieh dem Imitat eine gewisse Echtheit und auch das Stimmvolumen war demjenigen des Canzone-Barden nicht unähnlich. Drei Backgroundtänzerinnen bewegten sich auf den wenigen Quadratmetern, die nicht schon dem Sänger und seiner Bewegungsfreiheit vorbehalten waren, in synchronen Bewegungen im Takt des Italo-Rocks. Die Stimmung erreichte nochmals einen Höhepunkt. Zum Stil-, aber nicht zum Stimmungsbruch kam es schliesslich, als die Guggenmusik «Röhrenheizer» lautstark ins Geschehen eingriff und die Maskierten nochmals zum schweisstreibenden Tanz forderte, bevor dann Blizz Rhythmia den zweiten Teil ihres Sets zum Besten gab.
Aus Nacht wird Tag
Bianca Künzler, treue Vampirballbesucherin, hatte für
die Organisatoren
nur lobende Worte übrig. Traditionell wie sensationell sei der diesjährige
Vampirball, liess sie wissen. Lob und Wink an die Organisatoren, ihrem Konzept
treu zu bleiben, zumal ihr Lob im Spiegel aller Befragten repräsentatives
Gewicht hat. Ohne die Kräfte für die anstehenden Fasnachtsbälle zu schonen,
feierte die Menge weiter bis in die frühen Morgenstunden und machte damit die
erste hohe Fasnachtsnacht zum Tag. Weitere dürften folgen.
Bilder der Nachtmenschen:
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Copyright Andreas Meier
9. Februar 2002